Wirtschaftsrätsel: Warum das BIP steigt, während das Beschäftigungswachstum stagniert

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Die jüngsten Wirtschaftsberichte zeichnen ein verwirrendes Bild: schnelles BIP-Wachstum bei einem schwächelnden Arbeitsmarkt. Diese Diskrepanz wirft entscheidende Fragen über den wahren Zustand der US-Wirtschaft und darüber auf, wie die politischen Entscheidungsträger reagieren sollten. Die Zahlen lügen nicht, aber ihre Interpretation erfordert eine sorgfältige Überlegung, wie sie gemessen werden und welche zugrunde liegenden Trends sie widerspiegeln.

Der Widerspruch erklärt

Jüngste Daten zeigen ein jährliches BIP-Wachstum von 4,3 %, deutlich höher als zu Beginn des Jahres. Doch gleichzeitig verlangsamt sich das Beschäftigungswachstum und die Arbeitslosigkeit steigt. Diese Divergenz ist nicht nur eine statistische Eigenart; Es verdeutlicht die grundsätzliche Unsicherheit darüber, ob die USA auf eine Rezession zusteuern oder in eine neue Phase starken Wachstums eintreten.

Das Problem besteht darin, dass Wirtschaftsstatistiken von Natur aus unvollkommen sind und komplexe Systeme mit unvermeidlichen Verzögerungen und Überarbeitungen messen. Die aktuelle Situation ist besonders unklar, was zuversichtliche Vorhersagen gefährlich macht. Die politischen Entscheidungsträger müssen diese Unsicherheit anerkennen, anstatt sich auf allzu optimistische oder pessimistische Annahmen zu verlassen.

Drei mögliche Szenarien

Es gibt drei Haupterklärungen für diese Diskrepanz, und die Realität umfasst wahrscheinlich Elemente aller drei.

1. Schwache Arbeitsmarktdaten sind zutreffend: Die pessimistischste Sichtweise legt nahe, dass die Arbeitsmarktzahlen zuverlässig sind und das BIP-Wachstum überschätzt wird. Historisch gesehen werden die BIP-Zahlen tendenziell größeren Revisionen unterzogen als die Beschäftigungsdaten, was bedeutet, dass die anfänglichen Wachstumszahlen möglicherweise überhöht sind. Darüber hinaus spiegeln die BIP-Daten für das dritte Quartal (das im September endet) die bis November beobachteten schwächeren Arbeitsmarkttrends nicht vollständig wider. Wenn dies richtig ist, wird sich im BIP-Bericht für das vierte Quartal wahrscheinlich ein langsameres Wachstum zeigen.

2. Ein starkes BIP-Wachstum ist real: Das gegenteilige Argument ist, dass das BIP die Wirtschaftsaktivität genau widerspiegelt und die Arbeitsmarktdaten irgendwann nach oben korrigiert werden. Das Beschäftigungswachstum im privaten Sektor ist solide, die Gesamtbeschäftigungszahlen werden jedoch durch den erheblichen Abbau von Stellen im Bundesbereich (168.000 verloren in den letzten zwei Monaten) beeinträchtigt. Dies deutet eher auf eine vorübergehende Verzerrung als auf eine umfassendere Konjunkturabschwächung hin.

3. Beide sind fehlerhaft: Das dritte und vielleicht realistischste Szenario besteht darin, dass sowohl BIP- als auch Arbeitsmarktdaten Ungenauigkeiten enthalten. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, hat sogar angedeutet, dass die offiziellen Zahlen zum Beschäftigungswachstum möglicherweise überbewertet sind und möglicherweise tatsächliche Arbeitsplatzverluste verschleiern. Das Bureau of Labor Statistics verlässt sich auf Umfragen, die in Zeiten schneller Unternehmensgründungen oder -scheiterungen unzuverlässig sein können.

Verbraucherausgaben als Schlüsselfaktor

Eine entscheidende Komponente des BIP sind die Konsumausgaben, die über zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmachen. Die überraschend hohen Konsumausgaben in diesem Jahr, die sowohl auf die Kreditaufnahme von Geringverdienern als auch auf den gestiegenen Wohlstand bei Besserverdienern zurückzuführen sind, sind ein wesentlicher Treiber des aktuellen Wachstums. Dies deutet darauf hin, dass die Ausgaben das BIP noch eine Weile stützen könnten, selbst wenn sich der Arbeitsmarkt abschwächt.

Das Fazit

Das wirtschaftliche Bild bleibt unklar. Politische Entscheidungsträger können sich nicht auf einen einzelnen Datenpunkt verlassen, ohne die inhärente Unsicherheit der wirtschaftlichen Messung anzuerkennen. Die aktuelle Situation erfordert Vorsicht und die Bereitschaft, den Kurs anzupassen, sobald weitere Informationen verfügbar sind. Das Zusammenspiel zwischen Verbraucherausgaben, Regierungsbeschäftigung und zugrunde liegenden Wirtschaftstrends wird letztendlich darüber entscheiden, ob es sich um eine vorübergehende Abweichung oder um ein Zeichen tieferer Probleme handelt.